Artikel im BlickLokal
(17. 2. 2018)

Heftiger Protest gegen Eingriff in ein bestehendes Wohngebiet
Dinkelsbühl. Ein geplantes kirchliches Gebäude mit 24 Wohnungen des öffentlich geförderten Wohnungsbaus am Samuel-von-Brukenthal-Platz stellt für viele Anwohner einen großen Eingriff in ein bisher schönes und gewachsenes Wohnumfeld dar. Ein Flachdachbau (größer als zwölf der angrenzenden Reihenhäuser) soll auf einer Wiese der katholischen Kirche verwirklicht werden. Für die Anwohner ist dieses Großvorhaben (ca. 40 x 25 Meter) inakzeptabel. Eine Bürgerbewegung wurde gegründet, der Petitionsausschuss eingeschaltet und ein Bürgerbegehren in die Wege geleitet. Innerhalb von nur drei Wochen wurden über 1100 Stimmen gesammelt, mehr als die dafür notwendige Anzahl. Das Begehren wurde von der Stadt Dinkelsbühl in der Formulierung für nicht zulässig erklärt. Die Bürgerbewegung hält die Formulierung nach wie vor für rechtsgültig und hat deshalb Klage eingereicht. Warum hat Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer Angst vor einer Abstimmung durch die Bürger, fragen sich die Betroffenen. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist in Dinkelsbühl sicher auch dadurch entstanden, dass in den letzten Jahren reihenweise Gebäude des sozialen Wohnungsbaus verkauft worden waren, aber nicht durch gleichwertig nutzbare und bezahlbare Wohnungen ersetzt wurden, so die Initiative. Der Bau von „Luxuswohnimmobilien“ an attraktiven Standorten hatte eindeutig Vorrang, so der Vorwurf. Jetzt suche die Stadt verzweifelt Grundstücke. Nachverdichtung um jeden Preis soll die Lösung sein. Dadurch werde aber auch sehr viel zerstört, meinen die Gegner. Die Menschen in den Städten würden zubetoniert, Freiräume und Natur für Mensch und Tierwelt würden verschwinden. Im Neubaugebiet (Gaisfeld 3) bleibe eine über 3200 Quadratmeter große Wiese mit guter Straßenanbindung als grüne Lunge bestehen. Natürlich gönne man dies den dortigen Anwohnern, aber Stadt und Kirche sollten auch auf die Anwohner am Brukenthal-Platz Rücksicht nehmen und ihnen Gleiches zugestehen, so der Vorwurf. Unsachliche Kritik gegen die Anwohnerbewegung vergifte das Stadtklima. Kein Verantwortlicher nehme die Bayerische Bauordnung wirklich ernst, so die weitere Kritik. Die Abstandsflächenverordnung lasse die Nachbarn in Rufweite an die eigenen Häuser heranrücken, das Gebiet werde durch eine unpassende Bebauung verunziert, alte Baupläne würden im vereinfachten Verfahren schnell geändert und ein autofreier Platz mit Autoverkehr belastet, so die Gegner. Natur- und Anwohnerinteressen würden hintan gestellt. Bei einem Informationsabend unlängst im kleinen Schrannensaal in Dinkelsbühl wurden geschönte Computeranimationen gezeigt, die nichts mit den Gegebenheiten vor Ort zu tun haben, meinen die Anwohner, die sich durch dieses Verhalten verschaukelt und nicht ernst genommen fühlen. Unter www.geknipfdkb.de hat die Bürgerbewegung eine Internetseite eingerichtet, auf der man sich umfassend informieren kann. Händeringend sucht man in der Bürgerbewegung nach Unterstützung.



Damit hat alles begonnen am 7. Juni 2017

Die Presse vor Ort am 8. Juli 2017
Bürger vom Bruckenthal-Platz fürchten um ihre Ruhe
Kritik an der Dimension eines geplanten sozialen Wohnungsbauprojekts auf einem brachliegenden Grundstück im Hoffeld
DINKELSBÜHL – Samuel von Bruckenthal war von 1777 bis 1787 Gouverneur von Siebenbürgen. Er studierte Rechtswissenschaften, Verwaltung, politische Wissenschaften und Philosophie, die ihm den Zeitgeist der Aufklärung näherbrachten. Ihr Verfechter blieb er zeitlebens. Die Vernunft steht in dieser Epoche als universelle Urteilsinstanz an oberster Stelle. Nach Bruckenthal ist im Dinkelsbühler Hoffeld ein Platz benannt. Hier soll sozialer Wohnungsbau entstehen. Weil die Anlieger viele Bedenken gegen das Projekt haben, soll direkt nach der Kinderzeche eine Bürgerinformation stattfinden.
Sozialer Wohnungsbau müsse auch für die betroffenen Nachbarn sozial sein, meinen die Bürger. Viele der Anlieger am Samuel-von-Bruckenthal- Platz kritisieren, dass sie von dem Vorhaben erst aus der Fränkischen Landeszeitung erfahren hätten. Anfang Juni hatte der Dinkelsbühler Bauausschuss, wie berichtet, grünes Licht für einen in der Dinkelsbühler Hoffeldsiedlung im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus geplanten Gebäudekomplex mit 26 Einheiten gegeben. Das bisher brachliegende Grundstück, auf dem das Projekt verwirklicht werden soll, gehört der katholischen Pfarrei, die dort einst die Errichtung eines Gemeindezentrums geplant hatte. Dem Bauausschuss wurde erläutert, dass der Verkauf an eine Gesellschaft mit Hauptsitz in Erlangen geplant sei, die als Bauträger firmiere. Vorgesehen seien in dem Komplex acht Wohnungen mit zwei Zimmern, 14 mit drei Zimmern und vier mit vier Zimmern. Auf dem Grundstück seien 26 Stellplätze vorgesehen, 18 im Außenbereich, acht in einer Tiefgarage.
Die Dimension des Gebäudes erscheint den Anwohnern des Quartiers, das geprägt ist von diversen Mehrfamilien- und Reihenhaus-Komplexen, viel zu groß. Sie fürchten nicht nur eine Beschattung ihrer Grundstücke und eine zusätzliche Lärmbelästigung sondern auch Zufahrtsprobleme und eine Gefährdung von Schulkindern, die derzeit den Weg täglich nutzen würden. Kritisiert wird von den Bewohnern auch, dass bislang kein Ortstermin zustande gekommen sei, um den Entscheidungsträgern des Kommunalparlaments die Dimensionen des Projektes vor Augen zu führen. Die Anwohner unterstrichen gegenüber der Fränkischen Landeszeitung, dass sie nicht gegen den sozialen Wohnungsbau an sich seien, wenn das Vorhaben kleiner wäre, hätten sie nichts dagegen.
Auf den ebenfalls von den Anrainern in Richtung Oberbürgermeister geäußerten Vorwurf, der im Neubaugebiet GaisfeldIV geplante soziale Wohnungsbau sei gestrichen worden, versicherte Dr. Christoph Hammer gestern auf FLZ-Nachfrage, dass davon keine Rede sein könne. Er betonte, dass die Stadt Dinkelsbühl einen hohen Bedarf an sozialem Wohnungsbau habe, der alleine mit einem einzigen Projekt im Gaisfeld nicht befriedigt werden könne. Das lasse sich aus den Wartelisten ablesen. Solche geförderten Wohnbauprojekte müssten sich bei den Herstellungskosten pro Quadratmeter an den zuschussfähigen gesetzlichen Obergrenzen orientieren. Bei kleineren Einheiten könnten diese nicht mehr eingehalten werden, weil die Kosten für eine Heizungsanlage beispielsweise dann auf weniger Quadratmeter umgelegt werden müssten. „25 Wohneinheiten sind da die untere Grenze“, so der OB.
Über die gesetzlichen Voraussetzungen des sozialen Wohnungsbaus und über das konkrete Projekt im Hoffeld soll im Rahmen der Informationsveranstaltung detailliert informiert werden. Eingeladen werden zu dem Termin Ende Juli von Stadt Dinkelsbühl und katholischer Kirchengemeinde vor allem die Bürger des Quartiers. MARTINA HAAS


Können sich nicht mit den ihrer Ansicht nach zu groß dimensionierten Plänen für sozialen Wohnungsbau anfreunden: Bürger aus der Nachbarschaft des Samuel- von-Bruckenthal-Platzes haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen, die eine Verkleinerung des Komplexes fordert. Foto: Haas


Abgestimmte Pressemitteilung (wurde so nicht in der Zeitung veröffentlicht)
Zweifel über den Wohnungsbau am Brukenthal-Platz konnten nicht ausgeräumt werden

Am 25. 7. 2017 luden die Stadt und die Kirchenverwaltung die Anlieger am Samuel-von- Brukenthal-Platz zu einer Anwohnerinformation ein. Anwesend waren auch Vertreter der Stiftung, der Architekt Herr Kropf aus dem Architekturbüro Kropf in Nürnberg. Außerdem nahmen auch Mitglieder des Bauausschusses und einige Stadträte teil. Insgesamt waren zusätzlich zum leitenden Gremium ca. 65 Personen anwesend. Nach der Begrüßung durch Herrn Pfarrer Maurer und einigen Ausführungen bezüglich sozialer Bedürfnissen wurde den Anwohnern schnell klar, dass die Kirche bereit ist, das Anwesen an den oben genannten Investor zu verkaufen. Nach den Worten von Herrn Pfarrer Maurer seien wegen der sinkender Anzahl der Gläubigen in der kath. Kirche kein, wie ursprünglich geplant, Gemeindezentrum, keine Kirche oder Ähnliches mehr nötig. Auch die fehlenden Gelder durch immer weniger werdende Kirchenmitglieder in Form von Kirchensteuern mache sich bemerkbar, so dass die Kirche nicht mehr in den öffentlich geförderten Wohnungsbau investieren könne. Anschließend berichtete der Oberbürgermeister von weiteren geplanten sozialen Projekten. So solle in der Sonnenstraße am Bolzplatz ein ebenso großes Projekt von der Diakonie gebaut werden mit ca. 25 Wohneinheiten für Menschen mit Behinderung. Des Weiteren ist ein Grundstück hinter der Bahnlinie für die Lebenshilfe vorgesehen. Zu dem geplanten Objekt am Brukenthal-Platz sei er mit dem Bauausschuss zu der Übereinkunft gekommen, das geplante Gebäude füge sich in Art, Größe und Nutzung gut in das bestehende Gebiet ein. Diese Meinung konnten die Anwohner in keiner Weise teilen. Dieser Meinung waren auch einige Stadträte, wie sie den Anwohnern in persönlichen Gesprächen versicherten, ebenso wie viele andere Mitbürger aus Dinkelsbühl und Umgebung auch. Es war auch immer wieder die Rede von einer nötigen Verdichtung der Bebauung, aber ob das um jeden Preis auch in
einem bestehenden Wohngebiet mit einem gelungenen Ensemble aus Einfamilienhäusern, Doppelhäusern und Mehrfamilienhäusern in noch überschaubarer Größe sein muss, sollte kritisch hinterfragt werden. Anschließend äußerten sich noch Mitglieder der Stiftung zu dem
geplanten Bauprojekt. Man sprach immer wieder von eine profitablen Mindestgröße, die erst ab 25 Wohneinheiten rentabel sei. “So könne man erst ab dieser Größe einen Hausmeister beschäftigen, der dann ab und zu einmal vorbeischaue, um dann z.B. den Rasen
zu mähen.” Die geschönt gestaltete Computeranimation des Baus zeigte einig sachliche Fehler, z.B. die Abstände (grüne Wiese vor dem Haus) können so nicht umgesetzt werden. Im Gegenteil durch die verdichtete Bauweise wird sogar das meiste Grün um die bereits vorhandenen Häuser weichen müssen. Wohnqualität sieht sicher anders aus, wenn nur noch der Kosten-Nutzenfaktor im Vordergrund steht. Der Architekt Herr Kropf bezeichnete außerdem den Brukenthalplatz als “öd”, was die Anwohner verwunderte. Soll jetzt etwa der Platz durch eine Zufahrt über den Platz “aufgewertet” werden? Die Abstandsflächen zu den Nachbargrundstücken wurden bis zur Rechtsgrenze ausgeschöpft, dabei kommen auch Ausnahmeregelungen zum Tragen, um einen möglichst geringen Abstand zu den Nachbarn einhalten zu müssen. Z.B. muss nicht überall die Gebäudehöhe als Abstand zum Nachbargrundstück eingehalten werden oder die zurückgesetzten oberen Stockwerke, die sogenannten “Staffelgeschosse”, zählen auch nicht als volle Höhe des Objekts. Wie in der nachfolgenden Fragestunde unschwer zu erkennen war, ließ das Alles die Anwohner keineswegs kalt.
Beispielsweise appellierten die Anwohner dringend an die soziale Verantwortung auch gegenüber den Anwohnern, die teilweise schon über 30 Jahre in ihren Häusern leben. Sie erläuterten auch, dass durch den Bau eines so großen Komplexes ihr Eigentum erheblich an Wert verliere, abgesehen von der Wohnqualität, die verloren geht. Es wurde auch kritisiert, dass die Veranstaltung einer Marketingveranstaltung für Investoren ähnle. Der Nachweis von nur einem Autostellplatz pro Wohnung sei rechtlich abgesichert, ließ jedoch Zweifel aufkommen, ob dies bei einer Bewohnerzahl von etwa 70 Personen ausreiche. Zur Verkehrssituation am Platz und in der Edenkobenerstraße meinte Herr Oswald Wachter, dass diese dann als durchaus kritisch zu betrachten sei. Da Morgens ca. 120 Schüler zu Fuß mit dem Fahrrad in einem kurzen Zeitraum den Platz bzw. die Edenkobenerstraße passieren, könne es nicht nur während der Bauphase durchaus zu gefährlichen Situationen kommen. Außerdem sind Engstellen bei der nötigen Verlegung des Schulweges vorprogrammiert. Die Anwohner des sogenannten Raiffeisengebäudes beschlossen, wenn die Straße über den Platz komme, werden sie ihr angrenzendes Grundstück einzäunen, was wiederum auch zu einer deutlichen Verkleinerung des Platzes führen wird. Der Samuel-von- Brukenthal- Platz scheint damit verloren zu sein. Ein Anwohner merkte auch an, dass diese schwierige Verkehrssituation auch dadurch entstanden ist, weil beim Bau des sogenannten Aussiedlerheims versäumt wurde, auf eine adäquate Zufahrtslösung für das dahinter liegende Grundstück zu achten. Dafür solle jetzt der Platz in Mitleidenschaft gezogen werden. Eine Anwohnerin kündigte an, gegen dieses Projekt mit allen Mitteln vorgehen zu wollen und sich dabei auch anwaltlicher Hilfe zu bedienen, dem werden sich sicher noch andere Anwohner anschließen. Schade, dass so etwas nötig ist! Man fühlt sich als Bürger von den Verantwortlichen im Stich gelassen, merkte eine betroffene Anwohnerin an. Die Anwohner zeigten sich durchaus kompromissbereit. Sie wären mit einem Bau halber Größe und Höhe und mit anteiliger Halbierung der Wohnungsgrößen einverstanden. Die Stiftung zeigte zunächst kein Entgegenkommen. “Wenn sie so groß nicht bauen dürfen, würden sie sich aus dem Vorhaben zurückziehen”, war ihre Antwort.
Das baut natürlich für die Verantwortlichen einen gewissen Druck auf. Zum Schluss übergab die Bürgerinitiative noch eine Mappe mit etwa 300 Unterschiften und sogar auf einer Extraliste Unterschriften von Kindern, die dort wohnen oder die täglich den Schulweg und den Platz nützen.
Wie auf der Stadtratssitzung am nächsten Tag zu erfahren war, wurden im Anschluss an die Infoveranstaltung einige kleine Änderungen vereinbart (siehe FLZ vom 28. 7.). Dies ist lobenswert, zeigt es doch, dass unsere Bedenken gehört werden, kann aber nur ein erster
Schritt sein. Weitere müssen noch folgen!
Isolde Knipfer

So stand es in der FLZ am 12. 8. 2017

Weitere Eingriffe gefordert
Brukenthalplatz-Anwohner drängen auf Bau in halber Größe
DINKELSBÜHL (pm/bi) – Die angestrebten Änderungen der Konzeption für ein soziales Wohnbauprojekt in der Dinkelsbühler Hoffeldsiedlung wurden aus Kreisen einer Anwohnerinitiative, die die ursprünglichen Pläne heftig kritisiert hatte, als „lobenswerter“ erster Schritt bezeichnet. Es sei aber eine noch weitergehende Überarbeitung nötig, heißt es in einer Pressemitteilung der Gruppe um Sprecher Georg Knipfer.
Wie berichtet, war in der jüngsten Sitzung des Stadtrats bei der Behandlung des Vorhabens darüber informiert worden, dass im Rahmen der Baubegleitung des am Samuel-von-Brukenthal-Platz geplanten Projekts eine Reduzierung des Gebäudevolumens angepeilt wird und Anwohner die Möglichkeit haben sollen, Bedenken zu formulieren. Zuvor hatte auch eine Informationsveranstaltung zum Thema stattgefunden, in der die Anwohner über Details des Konzepts informiert worden waren.
Kritisch zu hinterfragen sei nach wie vor, ob ein solches Vorhaben „um jeden Preis“ in einem bestehenden Wohngebiet „mit einem gelungenen Ensemble aus Einfamilienhäusern, Doppelhäusern und Mehrfamilienhäusern“ realisiert werden müsse, heißt es in der Erklärung der Anwohnergruppe. Eine Stadt habe auch eine „soziale Verantwortung“ gegenüber Leuten, die teilweise schon über 30 Jahre in ihren Häusern lebten, die durch den Bau eines so großen Komplexes in der Nachbarschaft erheblich an Wert verlieren könnten.
Nicht angemessen berücksichtigt werde bei der bisherigen Planung auch die Auswirkung auf die Verkehrssituation. So passierten täglich zahlreiche Kinder und Jugendliche zu Fuß und mit dem Fahrrad den Platz, was bereits während der Bauphase gefährliche Situationen nach sich ziehen könne. Außerdem seien nach der nötigen Verlegung des Schulwegs künftig Engstellen vorprogrammiert. Akzeptabel wäre aus Anwohnersicht „ein Bau in halber Größe und Höhe mit anteiliger Halbierung der Wohnungsgrößen“. Vom Projektträger sei hier bisher allerdings wenig Kompromissbereitschaft signalisiert worden.